Howiek

Howiek ist eine noch jüngere Siedlung als Ocholt. Das Dorf wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1581 erwähnt. Nach dieser Urkunde wohnten im Dorfe nur drei Hausleute. Die drei Hausmannstellen gehörten zu den größten des Kirchspiels.

Heuersleute, Brinksitzer und Köter wohnten nicht im Dorfe. Daher war ein Familienname der Dorfbewohner anfangs nicht notwendig. Die Hausleute zu Howiek nannten sich nach ihren Vornamen. Falls sie eine Urkunde unterschreiben mussten, fügten sie ihrem Vornamen „zu Howiek“ hinzu. Später wurde z.B. aus Eilerd zu Howiek der Stammname Eilers, aus Gerd zu Howiek der Stammname Gerdes usw.

Die Geschichte von der Howieker Wassermühle

Um 1600 gab es in Ocholt und Howiek noch keine Mühle. Die Howieker Bauern mussten ihr Korn in der sechs Kilometer entfernten Bockmühle in Gießelhorst mahlen lassen. Um diesen beschwerlichen Weg zu vermeiden und Zeit zu sparen, beschlossen die drei Howieker Bauern Dietrich, Oltmann und Gerd zu Howiek, für sich selbst an derOllenbäke eine Wassermühle zu errichten. Als sie nun um Baugenehmigung nachsuchten, wurde diese nicht erteilt. Wahrscheinlich hatten die Besitzer der anliegenden Wischen protestiert, da sie bei der Stauung des Wassers Überschwemmungen befürchteten. Die Howieker ließen sich aber nicht einschüchtern und wandten sich an den Landesherrn, den Grafen von Oldenburg. Jedoch auch hier gab es Schwierigkeiten. Schließlich wurde der Bau unter der Bedingung genehmigt, dass die Wassermühle auf dem „höchsten Bült“ von Howiek errichtet würde. Mit dieser Bestimmung glaubten die Herren in Oldenburg, den „dummen“ Howiekern den Bau der Mühle unmöglich gemacht zu haben.

Man hatte jedoch nicht mit der Schlauheit der Bauern gerechnet, die sofort ans Werk gingen und eine Mühle mit einem unterschlächtigen Wasserrad bauten. In der Bäke legten sie ein Wehr an und zogen einen Graben, durch den sie das aufgestaute Wasser nach dem Mühlrad leiteten.

Aber bald stellten sich schon Schwierigkeiten ein; denn die in vielen Windungen und mit wenig Gefalle träge dahin fließende Ollen trat über die Ufer und überschwemmte die angrenzenden Wischen, wodurch Streitigkeiten mit den Besitzern entstanden. Diese wollten das Stauen des Wassers verhindern und spielten dem Müller manchen Streich. Sie zogen in der Nacht die Stauschotten hoch, sie durchstachen die erhöhten Ufer oder sägten Balken durch, um dem gestauten Wasser einen schnellen Abfluss zu verschaffen. Am anderen Morgen gab’s dann in der Mühle ein „langes Gesicht“, weil der Müllerknecht ohne Wasser nicht mahlen konnte.

Über 300 Jahre klapperte die Mühle an der Ollen und mahlte im Winter oft bei Tag und Nacht das Korn der Eigentümer der Mühle und der Heuerleute zum täglichen Brot. Die Müllerarbeiten verrichteten abwechselnd Großknechte der Mühlenbesitzer. Sie hatten es nicht sonderlich schwer, denn es dauerte etwa zweieinhalb Stunden, bis ein Sack Roggen von 150 Pfund als Mehl im Sack war. Das Korn wurde bei zu Jeddeloh im Backofen getrocknet, damit es sich besser mahlen ließ, d. h. im Mahlvorgang nicht gequetscht wurde. Gemessen wurde nur mit einem Hohlmaß, dem Scheffel. Er fasste 36 Pfund Roggen. Das alte Ammerländer Flächenmaß: l Scheffelsaat entspricht 1000 Quadratmetern. Das ist die Fläche, auf der man einen Scheffel (36 Pfund) Roggen aussäen muss

Nach der Erntezeit, wenn das Vieh aufgestallt worden war, wurden die Schotten des Stauwehrs in der Ollenbäke niedergelassen. In niederschlagsarmen Zeiten konnten bis zu drei Wochen vergehen, ehe genügend Wasser zum Betrieb der Mühle angestaut war. Die vorgelagerten Wischen wurden soweit überschwemmt, dass die Richelpfähle häufig nicht mehr aus dem Wasserspiegel herausragten. Die Stauhöhe hat bis zu einem Meter über dem Normalwasserstand betragen.

Aus der Broschüre „Verstäken Stück Heimat“: De ole Watermöhln in Howiek

Herausgeber: Heimatverein Ocholt-Howiek